Anatevka
Russland im Jahr 1905: Im riesigen Zarenreich brodelt es - Vorboten dessen, was als Oktoberrevolution in die Geschichte eingehen sollte. Doch im kleinen ukrainischen Anatevka vergeht die Zeit langsamer als anderswo. Während in den Städten der Unmut über die zaristische Herrschaft die Menschen auf die Straße treibt, sieht und hört man davon im Schtetl nichts.
"Wer einmal durch Anatevka gegangen ist, weiß gar nicht, dass er da war", sagen die Leute spöttisch. Juden und Christen leben friedlich, wenn nicht miteinander, dann aber wenigstens nebeneinander. Der Zar interessiert die Anatevker nicht, solange sie in Ruhe gelassen werden. So sieht es auch der jüdische Milchmann Tevje.
Er hat andere Sorgen als Demokratisierung, Freiheit und Gleichheit. Immerhin muss das fromme Raubein nicht nur seine Frau Golde, sondern gleich fünf Töchter füttern und kleiden. Drei von ihnen - Tzeitel, Hodel und Chava - sind im heiratsfähigen Alter und sollen, so will es der gutmeinende Vater, nach allen traditionellen Regeln glaubens- und standesgemäß unter die Haube gebracht werden.
Doch die Töchter haben andere Vorstellungen vom Glück, sie scheren sich bei der Wahl ihrer Männer nicht um Vermögen, Traditionen oder Religion. Mit jeder Eheschließung muss Tevje nicht nur von einer Tochter, sondern auch von alten Überzeugungen Abschied nehmen.
